Dr. Andrea Hötger Supervision Coach Paderborn Borchen

Goethe Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes und Seelenlebens 1809

Aktuell ist das Thema Resilienz nicht nur ein individuelles und gesellschaftliches, sondern auch ein organisationelles. Als Beraterin in Organisationen habe ich mich auf die Suche gemacht nach der passenden Lektüre, die implizit Corona voraus gedacht hat – und wurde fündig mit dem Übersichtswerk „Die resiliente Organisation. Wie sich das Immunsystem von Unternehmen stärken lässt.“ von Karsten Drath, internationaler Leadership Coach und Managing Partner bei Leadership Choices.

Das Handbuch

Das 440 Seiten starke Werk teilt sich auf in Teil 1 „Die Grundlagen organisationaler Resilienz“ und Teil 2 „Einflussfaktoren organisationaler Resilienz“. Als Viellesende dachte ich, dass ich den ersten Teil, weil bekannt, nur querlesen würde, um dann von dem zweiten Teil profitieren zu können. Doch es liegt nicht nur an meiner nicht gewählten Entschleunigung, dass ich bereits den ersten Teil intensiv gelesen habe. Selten finden sich Autoren, die gleichzeitig so sauber die Herkunft ihrer Theorien und Ansätze nennen und dennoch auf das Thema fokussiert ohne Umschweife die beratungsrelevanten Essenzen auf den Punkt bringen. Keine Langeweile, das Bekannte sprachlich anregend in einen übergeordneten Kontext gesetzt und Praxisrelevantes weitergedacht und hinzugefügt. Perfekt!

Nach einem interdisziplinären Zugang zu Resilienz und einer Weltbeschreibung, die unterm Strich zur Gestaltung einlädt, beginnt Drath eine Reise durch die Geschichte des Wirtschaftens und insbesondere der Organisationen. Drath beschreibt als Herausforderungen der Gegenwart neben Umweltfragen und Fragen der Digitalisierung auch den demografischen Wandel und den Wertewandel, der sich nicht zuletzt durch die Generation Y ausdrückt.

Die aktuelle Herausforderung

„Aktuell stehen wir am Beginn einer weiteren industriellen Revolution. […] Diese gilt es nun bewusst so zu gestalten, dass nicht nur das passiert, was technisch möglich ist, sondern auch das, was aus gesellschaftlicher Sicht dringend nötig ist.“

Es geht also nicht mehr nur um Leistung und Effizienz, sondern um eine sinnvolle und menschengerechte Ausrichtung von Organisationen. Genau diese Sicht wird durch die Corona-Krise geschärft.

Evolution durch Vertrauen

Im Sinne von Frederic Laloux sind das Ergebnis der vierten industriellen Organisation „Evolutionäre Organisationen“. Während auf den früheren Entwicklungsstufen Machtdenken, Widerstand gegen Veränderungen und Silodenken vorherrschen, findet sich hier eine vertrauensvollere Weltsicht mit Führungskräften, die von genügend Ressourcen ausgehen. Sie sehen nicht schwarz oder weiß, sondern im Sinne eines Paradoxiemanagements (er-)finden sie ein Sowohl-als-auch, welches sowohl auf der Grundlage von Logik als auch Intuition entscheidet.

Leitendes Primärmotiv ist dabei nach Laloux der evolutionäre Sinn vor Leistung und Effizienz– was der Generation Y sehr entgegen kommt. Voraussetzung dafür ist ein größtmögliches Vertrauen. Vertrauen in die Zukunft, Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Geschehens und Vertrauen vor allem in die Mitarbeitenden.

Als Beraterin das Lernen der Organisation fördern

Drath beschreibt ehrlicher Weise auch die Herausforderungen gerade solcher Organisationen. Dennoch – und das ist mein Antrieb für Coachings und Workshops – ist für eine gesellschaftliche Entwicklung, für eine soziale Evolution auch von Organisationen das Primärmotiv von Führungskräften und der gesamten Organisation entscheidend. Krisenbewältigung kann gleichzeitig Evolution beinhalten. Der wesentliche Faktor für Resilienz in solchen Krisenzeiten ist die „Lernende Organisation“. Als zentrale Aufgabe der Organisation nennt Drath:

  • Die Vorgänge wahrnehmen und kommunizierbar machen
  • Systemisch denken und deuten und mentale Modelle erkennen
  • Gemeinsamer Blick auf hinderliche und potenziell förderliche Handlungsmuster
  • Ein gemeinsames attraktives Ziel zu formulieren oder aufzupolieren, dem die Akteure gern folgen

Als Coach von Führungskräften wie auch Moderatorin von Workshops in Organisationsentwicklungsprozessen stehe ich bei diesen Aufgaben seit Jahren gern hilfreich beratend zur Seite.

Soweit ein Einblick in die erste Hälfte des Buches. In der nächsten Woche gebe ich einen Einblick in Teil 2: Einflussfaktoren organisationaler Resilienz.

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