Dr. Andrea Hötger Supervision Coach Paderborn Borchen

Reflexion

Feedback –

so macht es stark für die Führungsposition

Kennen Sie das auch: Sie werden eingeladen zu einem Essen, der Gastgeber hat es gut gemeint, doch man merkt schon beim Essen und spürt es sofort: Ihnen liegt das Essen viel zu schwer im Magen, es lässt Sie kaum schlafen und Sie überlegen sich gut, ob Sie sich von diesem Gastgeber noch einmal bekochen lassen. Dabei war es doch gut so gut gemeint! So ähnlich wie mit dem zu guten Essen geht es uns manchmal mit Feedback, wörtlich „zurückfüttern“ bzw. übersetzt als „Rückinformation“ über die Wirkung eines Senders von Informationen. Im Folgenden geht es darum, was es braucht, damit Feedback gut verdaulich ist.

Warum es oft schwer im Magen liegt …

Die Rückspiegelung meiner Wirkung betrifft mein Selbstbild. Wenn ich in eine soziale Situation gehe, so entwerfe ich meine Rolle situationsgemäß aufgrund meiner bisherigen Lernerfahrungen, wodurch ich voraussichtlich am meisten belohnt bzw. am wenigsten gestraft werde. Bewusst oder unbewusst steure ich mein Verhalten, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Der für die Rollentheorie bekannte Soziologe Erving Goffman nennt das „Impression Management“. Von Management kann allerdings nur dann die Rede sein, wenn ich mein Verhalten bewusst steuern kann und nicht etwa mein Autopilot unbewusst die Regie übernimmt. In der Führungsrolle brauche ich eine hohe Selbststeuerung meines Verhaltens entsprechend meines Ziels. Kurzum – ich brauche ein Bewusstsein über die Wirkung meines Verhaltens und eine Wahlmöglichkeit darüber, wie ich mich zeigen will. Um zu erfahren, wie ich wirke, hilft Feedback. Allerdings betrifft das Feedback, welches mich weiterbringen kann, oft entweder eigene Anteile, die vorher im Unbewussten lagen (blinde Flecken) oder aber Verhaltensweisen, die ich schon kenne, aber noch nicht steuern kann. Ich muss an dieser Stelle also dazu stehen, dass meine „Kontrolle“ im Sinne der psychologischen Grundbedürfnisse von Klaus Grawe, begrenzt ist. Die vorhandene „Ohnmacht“ in der Situation muss ich mir eingestehen, die jedoch umso schneller vergeht, wenn es mir im Weiteren gelingt, bewusst hilfreicheres Verhalten zu zeigen. Ebenso darf mein Selbstwert nicht in Gefahr geraten. Ich muss unterscheiden können zwischen der Kritik meines Verhaltens in der spezifischen Situation und der Wertschätzung meiner Person. Dann muss ich das Feedback nicht abwehren und kann es als Lernort werten.

Was Coaches und Trainer tun können, damit es leicht verdaulich ist…

Kritisches Feedback macht unsicher. Gerade als (werdende) Führungskraft habe ich vielleicht den Anspruch, „alles im Griff“ haben zu müssen. Coaches und Trainer, die Führungskräfte entwickeln wollen, müssen deshalb vermitteln, dass Grenzen normal sind und nur der sich weiter entwickeln kann, wer sich mutig ausprobiert. Niemand ist je fertig und kein Verhalten wirkt auf alle Beteiligten nur positiv. Humor, insbesondere das wohlwollende Lachen über die persönlichen Eigenheiten, ist ein sehr hilfreicher Umgang mit den neuen Informationen durch Feedback. Es kommt immer darauf an, welche Auswirkungen in der jeweiligen Situation unterm Strich am hilfreichsten sind. Überraschungen und Herausforderungen – hier durch Feedback - sind Lernorte. Solange alles komfortabel ist, ich also in der Komfortzone bin, lerne ich nicht. Die Panikzone jedoch, gilt es zu vermeiden. Dies geschieht z.B. dadurch, dass weder Vorgesetzte noch Kollegen aus dem Alltag, durch die ich Sanktionen erwarten könnte, bei einem Feedbacktraining dabei sind. Als Trainerin tue ich mir einen Gefallen, wenn ich mich selbst als fehlbar zeige, mich auch mutig in Situationen gebe und mich Feedback ohne Rechtfertigung stelle. Um Feedback verdaulich und auch umsetzbar zu machen, ist es als erstes wichtig, das zu beobachtende Verhalten zu beschreiben, Wahrnehmung der Situation zu schildern. Hier macht die Trainerin auch sprachlich die Unterscheidung zwischen Situation und Person deutlich. Im nächsten Schritt wird die subjektive Wirkung erklärt – und das ist das spannende: Die kann von Person zu Person variieren. Was dem einen hilft, ist für den anderen vielleicht eher schwierig. Welche Wirkung möchte ich beim wem erzeugen? Das ist die entscheidende Frage. Der Feedbackgeber kann auch am besten erklären, was er sich gewünscht hätte. Diese Wünsche knüpfen in der Regel an den eigenen Bedürfnissen an. Wirklich gute Feedbackgeber kennen sich also selbst gut und können eigene Interessen und Bedürfnisse versprachlichen, so dass der Feedbacknehmer auch etwas damit anfangen kann. In der WWW-Regel also (Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch) sind somit alle bekannten Regeln auf eine schlichte und wirkungsvolle Formel gebracht.

Was braucht es, damit Feedback nachhaltig nährt?

  • Ich muss mir meiner Wirkung bewusst sein. Dazu brauche ich die Außenwahrnehmung.
  • Ich muss es wirken lassen und zulassen, im Sinne von „so ist es“. Wandeln kann ich es erst in der Ja-haltung zu mir selbst, in der Freude an der eigenen Entwicklung. Der Kampf gegen die eigene Grenze als „Fehler“ oder gar „Feind“ setzt in der Regel zu sehr unter Stress – und das ist erwiesenermaßen nicht lernförderlich.
  • Die eigenen Stärken nicht aus dem Blick lassen. Die Stärken geben Sicherheit. Auf dieser Basis gilt es in einem sicheren Rahmen Neues ausprobieren, auspobieren, ausprobieren… Ohne Dranbleiben wird sich neues Verhalten nicht ausbilden. Es müssen sich neue Synapsenverbindungen bilden können, der Autopilot muss überwunden werden. Dazu braucht es eine positive Zielperspektive und die Freude am Lernen.

So wird das Feedback zu einem Überraschungsmahl, welches nicht nur gut verdaulich ist, sondern nahrhaft wirkt. Wahre Künstler des Feedbacknehmens nehmen es gar als ein Festmahl und können es bisweilen gar genießen, werden Sie doch dabei wohlwollend angeschaut und bekommen förderliche Zuwendung für ihren Wachstum als Führungskraft.

Lust auf Feedback als Führungskraft? Im Spätherbst beginne ich wieder – diesmal Online - eine neues Gruppencoaching für Führungskräfte mit Methoden zur Selbstreflexion und der Möglichkeit kollegialer Beratung. Die Gruppe kann beginnen, wenn genügend Teilnehmende beisammen sind. Interessenten sind herzlich willkommen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Inspiriert wurde ich für diesen Blog durch meine Mitarbeit in einem Workshop der Feedbackpeople aus Greven, die mit ihrer charmanten Womenpower (werdenden) Führungskräften in der letzten Woche das Feedbacknehmen leicht gemacht haben. www.feedbackpeople.de

Zu den psychologischen Grundbedürfnissen:
www.klaus-grawe-institut.ch

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